Neubau einer 6-zügigen Grundschule mit einer 3-fach Sporthalle in Karlsfeld/München; 2016
Kooperation mit Herle + Herrle Architekten BDA / Grabner Huber Lipp Landschaftsarchitekten und Stadtplaner / Jensen Ingrisch Recke Architekten / Peter Baron


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ARCHITEKTUR UND PÄDAGOGIK – EIN DIALOG
Der architektonische Entwurf stellt ein modernes pädagogisches Konzept in den Mittelpunkt seiner Gestaltungspriorität.
Die pädagogische Weichen bestimmen somit wesentlich das Gesicht der Schule mit.
Wenn Lernen verstanden wird als aktive selbständige Aneignung mit allen Sinnen durch den Schüler, wobei Bewegen, Spielen und Entdecken genauso wichtig sind wie Konzentration und Verweilen, dann bedeutet dies für die Architektur eine Form, die in Struktur und Dynamik genau dies wiederspiegelt.
Eine zentrale Aula mit einer differenzierten Ausformung und flexibler Verwendbarkeit bildet den Mittelpunkt der Schule. Sie steht für Orientierung, Kommunikation und Verweilen genauso wie für Bewegen und Entdecken. Von der Aula aus werden alle Funktionen der Schule erschlossen. Auch der Bezug zum Pausenaußenraum ist unmittelbar gegeben.
Damit sich Bildung ereignen kann, muss die Schule den Kindern die Gelegenheit eröffnen, Geborgenheit und Offenheit zugleich zu erleben.
Die Gesamtform des Schulkomplexes schafft eine Formensprache, die auf dieses Spannungsgefüge verweist. Die sternförmige Anordnung der Gebäudeelemente schafft Zentrum und Bewegung. Es entsteht eine Gesamtgefüge ohne Reihungen mit kurzen Wegen zu den jeweiligen Gebäudeteilen. Die klare Clusteranordunung erzeugt Geborgenheit in den einzelnen Lernhäusern mit ihrem Lichthof als Mittelpunkt.
Wenn Lernen verstanden wird als Selbstaneigung der Welt, bei der es genügend Raum sowohl für das gemeinsame als auch für das individuelle Lernen gibt, dann muss Architektur entsprechend flexible Raumstrukturen für innengesteuertes als auch außengesteuertes Lernen bieten.
Wechselnde soziale Lernformen werden durch geschlossenen und offene Raumsituationen ermöglicht. Klassenzimmer, kleinere Gruppenräume, die beidseitig und von außen zugänglich sind, je ein offener Mehrzweckbereich vor dem Lichthof, sowie grüne Klassenzimmer mit Orientierung zum Außenraum lassen reizarme Regionen der Konzentration und reizvolle Regionen der Anregung entstehen.
Statt Stillsitzen wird Schule als Lernwerkstatt verstanden mit möglichst individueller Förderung und der Möglichkeit für freies Arbeiten. Die Gleichzeitigkeit von Differenzierung und Integration begreift der Schüler in einer Gemeinschaft der Verschiedenen.
Die flexible Raumsituation ermöglicht einen kurzfristigen Wechsel zwischen verschieden Lernformen sowie eine kindergerechte Rhythmisierung des Schulalltages. Die bewusst angelegte Heterogenität der Räume fördert Inklusion als selbstverständliches Miteinander.
Statt reiner Belehrung versteht sich das Schulleben als Welterkundung innerhalb und außerhalb der Unterrichtsräume. Die Schule öffnet sich für die vielfältigen Interessen der Kinder.
Architektur versteht sich hier als Impulsgeber für das gesamte Schulleben. Verknüpft werden in diesem Entwurf die Lerncluster mit Aula, Speisesaal, Mittagsbetreuung, Werkräume und auch mit der nahen Sporthalle als Versammlungsstätten. Auch für die Lehrer bringt diese enge Verzahnung der Funktionsbereiche beste Arbeitsbedingungen.
Schule wird verstanden als forschender Dialog, der aktive Beziehungen zu den Innen- und Außenräumen der Schule fördert.
Die ´Eigenwelt` der Schule ist deutlich abgegrenzt, öffnet sich aber in ihrer baulichen Geste zugleich für ihre Umgebung. Sie bietet Anregungen für eine aktive Beziehung zu Schulraum und Natur. Der zentrale Pausenbereich schafft – ähnlich wie die Aula im Inneren- Mittelpunkt, Orientierung und Durchlässigkeit nach allen Seiten. Alle weiteren Außenräume sind klar differenziert und definieren das Ankommen, den Schulgarten, Freiklassenbereiche, den Park und die Sportzonen mit Hartplatz und Laufbahn.

FREIRAUMKONZEPT
Der Grundgedanke des Freiraumkonzeptes basiert auf dem vom Würmkanal kommenden Grünzug, der in einem weiträumigen Park für den neu entstehenden Schulcampus Karlsfelds fortgesetzt wird. Von besonderer Bedeutung ist hierfür der vorhandene Gehölzbestand auf dem Friedhofgelände und entlang der Westgrenze des Wettbewerbsareals, welcher den neuen Campuspark als stabilisierende Spange umfasst und sich mit den Baukörpern verzahnt. Hiervon ausgehend verteilen sich neue Baumsetzungen locker über den Park.

Der Zugang von der Krenmoosstraße wird wesentlich großzügiger ausformuliert und mündet auf dem neuen Vorplatz der Grundschule. Die neue Lage dr Bushaltestelle betont zusätzlich die Lage des Haupteingangs. Die bestehende Platanenallee bleibt erhalten und wird zur zentralen Verbindungsachse des gesamten Schulcampus.

Der neue, von drei Seiten gefasste Pausenhof fungiert als wichtiges räumliches und funktionales Gelenk, um welches sich die neuen Baukörper der Grundschule und der Sporthalle ausrichten. Bedingt durch die Gebäudestellung öffnet sich der Pausenhof nach Süden zum Campuspark und geht fließend in dessen Grünraum über. Der Bereich südlich der neuen Sporthalle fasst die für den Schulsport erforderlichen Flächen und Funktionen, während der südliche der Teil Pausenhofs im Übergang zwischen Park und Platz neben Spielmöglichkeiten für die Schüler auch den Verkehrsparcours beinhaltet. Der platzartige nördliche Teil des Pausenhofs bietet einerseits Terrasse und Freibereich für die Mensa, andererseits multifunktional nutzbare Freifläche für diverse Schulveranstaltungen.

Die erforderlichen Stellplätze werden über eine Parkpalette mit fünf Splitlevel platzsparend organisiert. Das Bauwerk ist in die vorhandene Topographie am Südostende des Grundstücks eingebettet, wobei sich der Campuspark auf dessen begrünter Dachfläche fortsetzt. Zugleich dient es als räumliche Abgrenzung gegenüber der Bajuwarenstraße.